Ankunftsquartiere

Was macht ein Ankunftsquartier aus?

Ankunftsquartiere sind Gebiete einer Stadt, die in besonderer Weise durch (temporäre) internationale Migration und soziale Benachteiligung geprägt sind. Im Vergleich zu anderen Stadtteilen bieten sie einen hohen Anteil an niedrigpreisigem und/oder leicht zugänglichem Wohnraum. Dank ihrer heterogenen und häufig fluktuierenden Bewohnerschaft sind Ankunftsquartiere in der Regel hochgradig dynamische Räume. Vor Ort findet sich zumeist eine besondere Dichte ankunftsbezogener „Gelegenheitsstrukturen“, unter ihnen Geschäfte, Vereine und religiöse Stätten. Diese bilden neben ihrer Versorgungsfunktion wichtige Kontaktorte. Sie können auch als Brückenköpfe für soziale Netze verstanden werden, die sich vielfach außerhalb des Quartiers konzentrieren. In solchen Fällen können die vorhandenen Gelegenheitsstrukturen die Teilhabe neuer Bewohner_innen am gesellschaftlichen Leben fördern. Doch Ankunftsquartiere haben unterschiedliche „Gesichter“. Diese Unterschiedlichkeit wollen wir mit der gegenüberstellenden Untersuchung des Projekts aufgreifen.

 

Unterschiede bedürfen genauerer Untersuchung

Ankunftsquartiere können sich in ihrer sozialen und baulichen Struktur und ihren Funktionsweisen unterscheiden. Zum Beispiel können Ankunftsquartiere durchlässig sein, wenn die vorhandenen Gelegenheitsstrukturen Zugewanderten helfen, in einer Stadt Fuß zu fassen. Andererseits können Ankunftsquartiere von Stagnation gekennzeichnet sein und ihre Strukturen das Weiterziehen von Zugewanderten in andere Stadtteile über Generationen hinweg hemmen. Bisher gibt es nur wenige Untersuchungen zu den Charakteristika und der Funktionsfähigkeit unterschiedlicher Ankunftsquartiere. Hier setzt das Projekt KoopLab an.

 

Zum Weiterlesen:

Saunders, D. (2011): Arrival City: How the largest migration in history is reshaping our world. London.

In dem Buch werden anhand vielfältiger Beispiele unterschiedliche städtische Ankunftskontexte und die jeweiligen Bedingungen des Ankommens von Zugewanderten vorgestellt. Der Fokus liegt auf den Mechanismen und den Faktoren, die den Bewohner_innen Zugang zu Ressourcen und damit langfristige Integrationsmöglichkeiten bieten. Bei dem Buch handelt es sich um eine journalistische Beschreibung sehr unterschiedlicher Ankunftsorte weltweit. Die Veröffentlichung ist ein wichtiger Impulsgeber auch für die wissenschaftliche Debatte um Ankunftsquartiere.

 

Kurtenbach, S. (2015): Ankunftsgebiete – Segregation als Potenzial nutzen. In: El-Mafaalani, A.; Kurtenbach, S.; Strohmeier, K.P. (Hrsg.): Auf die Adresse kommt es an. Segregierte Stadtteile als Problem- und Möglichkeitsräume begreifen. Weinheim und Basel, 306–328.

Der Buchbeitrag befasst sich mit städtischen „Ankunftsgebieten“ im deutschen Kontext und nimmt eine erste Charakterisierung von städtischen Ankunftsquartieren vor. Kurtenbach diskutiert am Beispiel der Dortmunder Nordstadt, wie sich Ankunftsquartiere identifizieren lassen und unter welchen Voraussetzungen das Leben in diesen sozial, demografisch und ethnisch segregierten Stadtteilen integrationsfördernd wirken kann.

 

Schillebeeckx E.; Oosterlynck S.; De Decker P. (2018): Migration and the Resourceful Neighborhood: Exploring Localized Resources in Urban Zones of Transition. In: Meeus, B.; Arnaut, K.; van Heur, B. (Hrsg.): Arrival Infrastructures. Migration and Urban Social Mobility. Palgrave Macmillan, Cham.

Der Beitrag untersucht am Beispiel von Antwerpen-Noord, welche Ankunftsinfrastrukturen Städte attraktiv für Zugewanderte machen. Es wird argumentiert, dass bestimmte Stadtteile Ressourcen bereithalten, die Migrant_innen ein Ankommen erleichtern. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass soziale Mischungsstrategien die Ressourcenausstattung für Zugewanderte untergraben können und entsprechend hinderlich für den Prozess des Ankommens sein können.

Universität Osnabrück
IMIS - Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien
HELMHOLTZ - Zentrum für Umweltforschung - UFZ
ILS - Institut für Landes- und Entwicklungsforschung gGmbH