Leipzig

Die Stadt Leipzig hat als „Stadt der Extreme“ (Rink 2015) in den letzten 25 Jahren eine Entwicklung von einer massiven Schrumpfung hin zu einem dynamischen Wachstum erlebt, welches nunmehr seit 2010 andauert und sich insbesondere auf die innenstadtnahen Ortsteile auswirkt. Die hohen Zuzugszahlen führen zu steigenden Wohnkosten, baulicher Verdichtung und wachsender sozialer Ungleichheit. In den letzten Jahren hat sich die Zuwanderung nach Leipzig deutlich internationalisiert und zu einer größeren Diversität der Bevölkerung beigetragen.

Der Fokus des Leipziger Teilprojekts liegt auf den Ortsteilen im Leipziger Osten und Schönefeld. In diesen Ortsteilen geht eine Konzentration sozialer Benachteiligung mit einer neuen, jungen und zunehmend internationalen Zuwanderung einher. Die zentrale Lage, eine gute infrastrukturelle Ausstattung sowie neue Parks und sozio-kulturelle Initiativen führen zu einer schnellen Abnahme des Leerstands, steigenden Wohnkosten und zugleich einem stärkeren Nutzungsdruck auf Grün- und Freiflächen im Stadtteil.

Ziel des Leipziger Teilprojektes ist es, die quartiersbezogenen Bedarfe der örtlichen Bevölkerung in diesen Stadtteilen mit „Ankunftscharakter“ (siehe Blogeintrag „Ankunftsquartiere“) in den Blick zu nehmen und Anforderungen für eine nachhaltige Flächengestaltung zu eruieren. An mehreren Standorten im Leipziger Osten und in Schönefeld werden die vielfältigen Perspektiven von Praxisakteuren, Vereinen, Wissenschaft und den Bewohner_innen in Prozessen der kooperativen Freiflächenentwicklung zusammengebracht. Das Leipziger Teilprojekt wird vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung als wissenschaftlichem Partner, Annalinde gGmbH als Praxispartner und in Zusammenarbeit mit dem Leipziger Amt für Stadtgrün und Gewässer bearbeitet.

Das KoopLab-Team verfolgt aktiv die lokalen Debatten mit Bezug zur Entwicklung von grünen Freiräumen in den Ortsteilen des Leipziger Ostens und Schönefelds, versucht neue und veränderte Bedarfe und Anforderungen an diese Freiräume zu erfassen und ist mit zahlreichen Stadtteilakteuren im Austausch.

Wir befassen uns intensiv mit aktuellen und zukünftigen Perspektiven auf den und Nutzungen im Schönefelder Mariannenpark (Fokus 2019). Zudem werden wir die Entstehung einer Rietzschke Aue Sellerhausen begleiten (Fokus 2020). Dabei liegt der Schwerpunkt u.a. auf den Bedarfen und der Einbeziehung von Gruppen, die üblicherweise wenig Zugang zu Beteiligungs- und Stadtteilentwicklungsprozessen haben.

 

Die Blogeinträge des KoopLab-Teams Leipzig finden Sie hier:

Leipziger Osten

Mariannenpark

Der Mariannenpark in Schönefeld wurde ab 1913 als „Volkspark für das 20. Jahrhundert“ nach reformorientierten, gartenarchitektonischen Ansätzen von Leberecht Migge entwickelt. Der Park liegt am westlichen Rand des Stadtteils und ist umgeben von Sportflächen, Kleingartenanlagen und Wohnbebauung entlang der Schönefelder Allee. Die Bekanntheit des Mariannenparks nahm in den vergangenen Jahren zu und immer mehr Menschen aus Schönefeld und den angrenzenden Ortsteilen nutzen den Park für Sport, Erholung und Freizeitgestaltung. Derzeit laufen aufseiten des Amts für Stadtgrün und Gewässer weitere Planungen für ein Entwicklungskonzepts mit dem Ziel, den Park als Gartendenkmal zu erhalten und zugleich eine Steigerung der Aufenthaltsqualität zu erreichen.

Im nördlichen Bereich zwischen der Außenanlage des Christlichen Vereins Junger Menschen e.V. (CVJM) und der sogenannten „Tummelwiese“ liegt der ehemalige Ernst-Thälmann-Ehrenhain. Im Rahmen von denkmalpflegerischen Diskussionen innerhalb des Amts für Stadtgrün und Gewässer wurde auch deutlich, dass eine planerische Entwicklung zur Erhöhung der Aufenthaltsqualität nötig ist und der Ort Potential für verschiedene Parknutzungen hat.

Unsere Zielstellung im Rahmen des Projekts KoopLab war es zunächst, mit den Stadtteilakteuren und Parknutzer*innen über die Perspektiven auf den Mariannenpark gestern, heute und morgen ins Gespräch zu kommen und aktuelle Bedarfe und Ideen im Hinblick auf eine Umgestaltung zu ermitteln. In diesem Kontext fanden im Sommer 2019 die Veranstaltungen Parkgeflüster #1 (31. Mai 2019) und Parkgeflüster #2 (6. Juli 2019) statt.

Die Ergebnisse dieser Gespräche wurden festgehalten und ausgewertet. Im Spätsommer fanden in Kooperation mit Illka Laux vom Stadtteilmanagement Schönefeld an insgesamt sieben Tagen Vor-Ort-Gespräche mit Passant_innen im ehemaligen Ernst-Thälmann-Hain statt. Ziel war es, ein möglichst umfassendes Bild erhalten, wer diesen Parkabschnitt für welche Aktivitäten nutzt und welche Bedarfe und Ideen die Menschen für die Umgestaltung des Teilabschnitts haben. Die gesammelten Informationen wurden dann bei der ersten Planungswerkstatt am 16.10.2019 vorgestellt. Die Teilnehmenden sprachen darüber, wie sie den Hain erleben und welche zukünftigen Bedarfe sie mit ihm verbinden. Hilfreich und anschaulich untermalt wurden die Diskussionen durch großformatige Pläne, auf denen Eindrücke zur Atmosphäre und konkrete Ideen zur Umgestaltung direkt räumlich verortet werden konnten. Das Architekturbüro Wend wird auf der Basis der Vor-Ort-Termine und der Ergebnisse der Planungswerkstatt nun eine Entwurf gestalten, der im Frühjahr/Sommer 2020 vor Ort im Hain vorstellt wird. Das KoopLab-Team wird den Prozess weiter begleiten und zusammen mit Akteuren vor Ort Angebote gestalten.

 

Falls Sie über die nächsten Prozessschritte informiert werden möchte, schreiben Sie bitte eine kurze Nachricht an leipzig@kooplab.de.

Rietzschke Aue Sellerhausen

Ein Teil der Kleingartenanlage an der Wurzner Straße im Ortsteil Volkmarsdorf wurde bei den zunehmenden Starkregen regelmäßig durch die östliche Rietzschke überschwemmt. Zur Schaffung einer Überflutungsfläche baute die Stadt Leipzig zusammen mit den Stadtwerken einen Teil der Kleingartenanlage zurück. Die zu entwickelnde Grünfläche soll im Sinne des Freiraumkonzeptes des Amts für Stadtgrün und Gewässer neben der Retentions- weitere soziale und ökologische Funktionen übernehmen. Die Umgestaltung kann somit zu einer Schaffung von mehr grünen Aufenthalts- und Begegnungsflächen im Quartier beitragen. Zu diesem Anlass fand am 12. November 2019 eine öffentliche Informations- und Beteiligungsveranstaltung im Ortsteil Volkmarsdorf statt. Das beauftragte Büro sowie Mitarbeiter*innen der Stadtverwaltung stellten die aktuellen Planungen vor und alle Interessierten konnten sich an drei Themeninseln zu den Bereichen Freianlagenplanung, Gewässerplanung und zur Östlichen Rietzschke informieren und einbringen.

Im Umfeld der zukünftigen Überflutungsfläche befinden sich verschiedene Kleingartenvereine mit dazugehörigen Gaststätten, Kindertagesstätten, das Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt Sprache „Käthe Kollwitz“ sowie ein Sportverein und diverse öffentliche Grünflächen, teilweise mit Spielplätzen.

An der Westseite entsteht aktuell der Campus der Quartierschule Ihmelstrasse, welcher zukünftig für Stadtteilangebote geöffnet werden soll. Die entstehende Grünfläche könnte perspektivisch daher zur Umweltbildung oder als „Grünes Klassenzimmer“ genutzt werden. Im Osten begrenzt der sogenannte „Sellerhauser Bogen“ des gerade gestarteten Stadtentwicklungsprojekts Parkbogen Ost die Fläche. Die Planung im Frühjahr 2020 abgeschlossen werden, der Bau ist derzeit von Ende 2020 bis Herbst 2021 geplant. In diesem Rahmen wird KoopLab daran mitwirken, die Besonderheiten einer multifunktionalen Freifläche zu vermitteln und Kooperationen für zukünftige Nutzungen, z.B. im Bereich der Umweltbildung, auf der Freifläche anzudenken.

Falls Sie über die nächsten Prozessschritte informiert werden möchte, schreiben Sie bitte eine kurze Nachricht an leipzig@kooplab.de.

Ansprechpartner:

Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Zum Team Leipzig

Projektpartner

Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
ANNALINDE gGmbH
Stadt Leipzig Amt für Stadtgrün und Gewässer
Freie Universität Berlin
HELMHOLTZ - Zentrum für Umweltforschung - UFZ
ILS - Institut für Landes- und Entwicklungsforschung gGmbH