Unsere Methoden

Kooperatives Arbeiten „auf Augenhöhe“ im Reallabor

Leitende Gedanken

Zentrales Ziel von KoopLab ist die Implementierung von Reallaboren an den drei Projektstandorten Leipzig, Dortmund und Hannover. Im Prozess des Reallabors sollen Wünsche und Bedarfe der Stadtteilbevölkerung ermittelt werden und gemeinsam mit lokalen Akteuren auf eine kooperative Entwicklung von Freiräumen im Quartier hingewirkt werden.

Leitend für uns ist ein transdisziplinäres, kollaboratives Projektverständnis. Wir verfolgen den Anspruch, den Graben zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu überbrücken, indem gesellschaftliche Probleme und ihre Lösung zum Thema gemacht werden. Bei der Entwicklung von Forschungsfragen und der Gewinnung von empirischen Daten arbeiten Wissenschaftler_innen und lokale Akteure gleichberechtigt zusammen. Kooperativ soll zudem die Entwicklung von Grün- und Freiräumen in den Reallaboren sein, d.h. dass eine Vielzahl von zivilgesellschaftlichen und politisch-administrativen Akteuren einbezogen werden.

 

Unsere wissenschaftliche Erhebungen

Um die Quartiere, in denen wir die Reallabore einrichten, und die dort wohnenden Menschen besser kennenzulernen, gehen wir zunächst in einem dreistufigen Verfahren vor. Diese Stufen bauen dabei aufeinander auf und gehen den folgenden zentralen Fragen nach:

 

Was macht den Stadtteil aus?

Um die jeweiligen Ausgangsbedingungen für den Aufbau der Reallabore in den drei Städten zu identifizieren, wird zunächst eine Bestandsanalyse durchgeführt, bei der wir relevante Informationen über die ausgewählten Quartiere aufbereiten und erschließen. Zum Beispiel analysieren wir in einer Beschreibung bzw. eines „Narrativs“ die Medienberichterstattung zu den ausgewählten Ankunftsquartieren. Weiter werden Informationen zu ihrer Lage, (Migrations-)Geschichte, Fördergeschichte, Bau- und Raumstruktur, (Flächen-)Nutzungsstruktur sowie sozial-räumlichen Daten aufbereitet und zusammengefasst. Zudem findet eine Bestandsanalyse zur quantitativen Identifikation von Ankunftsquartieren auf Grundlage eines eigens entwickelten Katalogs von Indikatoren statt.

 

Wie werden Grün- und Freiräume im Quartier aktuell wahrgenommen? Was brauchen und wollen die Menschen vor Ort?

Anschließend an die Bestandsanalyse führen wir eine kooperative Bedarfs- und Potenzialanalyse durch. Hier interessiert uns, wie die Menschen vor Ort Grünflächen aktuell nutzen und was sie sich von den lokalen Freiräumen wünschen. Wir wollen also unterschiedlichen Gruppen von Bewohner_innen (z.B. mit Blick auf Alter, soziale Lage, Wohndauer, Aufenthaltstitel) die Möglichkeit bieten, ihre Sicht auf den Stadtteil einzubringen. Mit dem Ziel der gemeinsamen Ideenfindung für die Freiraumentwicklung im Quartier werden die beteiligten Praxispartner_innen und Wissenschaftler_innen unterschiedliche kommunikative Methoden mit Quartiersbewohner_innen erproben. Diese Methoden reichen von Kurzinterviews über Mental Mappings bis zu lokalen Dialogformaten (z.B. Open Space-Workshops). Mit Hilfe solcher qualitativen Erhebungsmethoden, die an die jeweiligen Sprachkompetenzen angepasst werden, werden die Sicht unterschiedlicher Gruppen auf die Grün- und Freiflächen sowie ihre Bedarfe und Wünsche erfasst.

 

Wer ist im Stadtteil aktiv?

Wir wollen herausfinden, welche Gruppen und Menschen im Stadtteil aktiv sind und welche Interessen, Kooperationen und Einflussmöglichkeiten dabei relevant sind. Durch eine Stakeholderanalyse an jedem Standort wollen wir wichtige kommunale, privatwirtschaftliche und zivilgesellschaftliche Akteure identifizieren und für das Projekt motivieren. Eine Rückbindung und Diskussion der Ergebnisse in Form von lokalen Workshops und Fokusgruppendiskussionen mit den Akteuren ist in Planung.

 

Kooperatives Arbeiten in den Reallaboren

Vor diesem Hintergrund werden die Reallabore an den drei Standorten eingerichtet. Im Mittelpunkt steht dabei die kooperative Freiraumentwicklung. Dies bedeutet, dass die Ausgestaltung des Reallaborprozesses gemeinsam mit den Quartiersbewohner_innen, Gärtner_innen, Mieterinitiativen, Migrantenselbstorganisationen und diversen anderen lokalen Akteuren erfolgt. Wir hoffen, dadurch die Teilhabe unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen – vor allem bisher beteiligungsunerfahrener Gruppen – an der Gestaltung ihrer Städte zu fördern. Der Reallaborprozess ist offen für alle Menschen aus dem Quartier.

Die Ziele des jeweiligen Reallabors werden kooperativ bestimmt, anstatt vorab definiert und vorgegeben: Die Reallabore werden je nach Ausgangslage vor Ort (räumlicher Kontext, Akteurskonstellationen etc.) und identifizierten Potenzialen und Bedarfen unterschiedliche Schwerpunkte in der Freiraumgestaltung setzen. So kann es in den Reallaboren sowohl um die Gestaltung und Umnutzung einer Brachfläche als auch um die Weiterentwicklung oder veränderte Nutzung einer bereits bestehenden Grünfläche gehen. Im Mittelpunkt des Reallaborprozesses steht jedenfalls der Austausch und Dialog zwischen unterschiedlichen Akteuren in der gemeinsamen Entwicklung von öffentlich nutzbaren Freiräumen.

Universität Osnabrück
IMIS - Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien
HELMHOLTZ - Zentrum für Umweltforschung - UFZ
ILS - Institut für Landes- und Entwicklungsforschung gGmbH