Die Bedeutung von öffentlichen Freiräumen nimmt in Pandemie-Zeiten zu – Beobachtungen im Dortmunder Blücherpark

Dortmund, 10.08.2020

Obwohl die Nutzung öffentlicher Freiräume mit Beginn der Pandemie in Deutschland – im Gegensatz zu manch anderen Ländern – nicht gänzlich verboten wurde, zeigt sich eine gewisse Verunsicherung von Seiten der Bevölkerung bzgl. der Nutzung dieser Freiräume. Kontaktbeschränkungen und Abstandsregelungen schränken das öffentliche Leben, wie wir es bisher kannten, nach wie vor ein. Somit änderte sich auch das Nutzungsverhalten in Parks und Grünflächen. Wo sich Freunde vor kurzem noch Hände schüttelten und umarmten und wiederkehrende Begegnungen zwischen entfernten Bekannten auch mal zu einem Plausch auf der Parkbank führten, sieht man heutzutage meist nur kurzen Smalltalk unter Einhaltung der Abstandsregelungen. Dennoch wurde schnell deutlich: Parks und Grünflächen bieten gerade in Pandemie-Zeiten, insbesondere in dicht bebauten Gebieten mit überwiegend kleinen Wohnungen ohne Gärten, wichtige Räume der Erholung und werden weiterhin intensiv genutzt.

Nachdem der KoopLab-Projektraum im Blücherpark als offizielle Spielplatzfläche bis Anfang Mai gesperrt war und nicht betreten werden durfte, kehrt seither wieder Leben ein. Obwohl die wöchentliche Gartenzeit als öffentliche Veranstaltung offiziell über einen längeren Zeitraum nicht stattfinden konnte, traf sich eine kleine Gruppe von Teilnehmenden eigenständig und unter Einhaltung der Kontaktbeschränkungen und Abstandsregelungen zum Gärtnern und zur Pflege der Hochbeete. Die Teilnehmer_innen nutzten die Gartenzeit in den vergangenen Wochen auch zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität. So wurde beispielsweise eine Sitzbank aus Palettenmöbeln gebaut, die nun zum Verweilen einlädt.

Da öffentliche Veranstaltungen nach wie vor nur in eingeschränktem Maße möglich sind, experimentierte das Dortmunder KoopLab-Projektteam mit einigen Formate, die Begegnungen und Teilhabe gewissermaßen auch ohne direkten Kontakt ermöglichen. So wurde zum einen die „Kannste-haben-Kiste“ aufgestellt – eine Tauschbörse für Spielzeuge, Bücher und allerlei brauchbare Gegenstände, die inzwischen rege genutzt wird. Zum anderen werden jetzt bereits Ideen für die weitere kooperative Gestaltung und Nutzung der Projektfläche gesammelt. So können Interessierte ihre Ideen aufschreiben und an einer Wäscheleine befestigen oder die Ideen für die gemeinsame Umsetzung samt ihrer Kontaktdaten in den „Mitmach-Briefkasten“ werfen. Im Rahmen der Möglichkeiten werden nun erste Vorschläge umgesetzt. So soll zunächst dem Wunsch nach einer künstlerischen Gestaltung des Containers entsprochen werden. Die Umsetzung dieser Idee als Graffiti-Aktion gemeinsam mit einer kleinen Gruppe des Kinder- und Jugendtreffs KEZZ und in Kooperation mit dem Jugendamt der Stadt Dortmund ist aktuell in Planung.

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