Integration

Was verstehen wir unter Integration?

Integration verstehen wir als einen Prozess, der die Überwindung von gesellschaftlicher Ausgrenzung, Benachteiligung und Diskriminierung zum Ziel hat. Damit steht Integration in unserer Forschungspraxis in engem Bezug zur chancengleichen Teilhabe. Im Kontext des Projektes KoopLab berücksichtigen wir Integration im analytischen Sinn und untersuchen, inwiefern alle Mitglieder der Gesellschaft Zugang zu den zentralen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens wie Arbeit, Bildung, Wohnen und Freizeit haben.

 

Ein umstrittener Begriff

Der Begriff Integration ist umstritten – nicht zuletzt, weil er sowohl als politisches und als wissenschaftliches Konzept gebraucht wird. Da seine normative und seine analytische Verwendung nicht ausreichend zu trennen sind, lehnen viele Kritikerinnen und Kritiker den Begriff ganz ab. Andere wiederum fordern einen reflektierten Umgang, der eine normative Verwendung in Politik und Wissenschaft ausschließt.

Ein zentrales Problem mit dem Begriff besteht in seiner negativen Verengung auf Migration. Dabei wird der Begriff mit selbstgewählter Ausgrenzung verknüpft und benutzt, um einseitige Anpassungsleistungen von Migrantinnen und Migranten zu fordern. Ein solches Verständnis von Integration baut auf der Vorstellung einer kulturell homogenen nationalen Gesellschaft auf und nimmt Pluralisierung, Diskriminierung und Benachteiligung ungenügend in den Blick.

 

Zum Weiterlesen:

Scherr, A. & C. Inan (2018): Leitbilder in der politischen Debatte: Integration, Multikulturalismus und Diversity. In: F. Gesemann & R. Roth (Hrsg.): Handbuch Lokale Integrationspolitik. Wiesbaden: Springer VS, 201-225.

Der Beitrag führt in unterschiedliche Facetten des Integrationsbegriffes ein und nimmt eine Abgrenzung zu komplementären und konkurrierenden Konzepten, wie Inklusion, Multikulturalismus und Diversity vor. Er bietet eine übersichtliche und theoretisch fundierte Unterscheidung des Begriffes im wissenschaftlichen und politischen Gebrauch. Der Beitrag empfiehlt sich zum Weiterlesen, da er den Begriff Integration nicht schlichtweg ablehnt, sondern ihn in einem Verständnis von Chancen der gleichberechtigten Mitwirkung an allen gesellschaftlichen Teilbereichen als „gemeinsamen Nenner“ für politische Kommunikation versteht.

 

Hess, S. (2014): Für eine Migrationsforschung jenseits des Integrationsparadigmas. In: Rat für Migration (Hrsg.): Dokumentation der Tagung „Migrations- und Integrationspolitik heute“, 22. November 2013 in Berlin. Berlin, 25-34. Online unter: https://rat-fuer-migration.de/2014/11/04/migrations-und-integrationspolitik-heute/

Der Beitrag thematisiert die Rolle des Begriffs Integration in der Migrationspolitik und schließt die Frage an, inwiefern die Migrationsforschung diesen Begriff mitgeprägt hat. Damit befasst sich der Beitrag kritisch mit der wissenschaftlichen Wissensproduktion, die sich verstärkt selbst in der Rolle reflektiert, Migration mit zu produzieren. Der Text liefert einen wichtigen Beitrag zur Herleitung und historischen Einbettung des Integrationsdiskurses, der in Deutschland lange nahezu ausschließlich als Defizitdiskurs geführt wurde und Migrant_innen als Adressat_innen von Integrationsmaßnahmen sieht.

 

Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) GmbH (2018): Steuern, was zu steuern ist: Was können Einwanderungs- und Integrationsgesetze leisten? Jahresgutachten 2018, S. 71 ff.: Online unter: https://www.svr-migration.de/wp-content/uploads/2018/04/SVR_Jahresgutachten_2018.pdf

Das Weiterlesen lohnt sich hier, denn der SVR führt unser Begriffsverständnis von Integration im Projekt KoopLab aus. Chancengleiche Teilhabe nimmt er als Ausgangspunkt, um Integration von Assimilation abzugrenzen. Am Beispiel der Politikfelder Bildung, Arbeitsmarkt, rechtliche, politische und soziale Teilhabe beschreibt er die Möglichkeiten und Grenzen von politischen Maßnahmen.

Universität Osnabrück
IMIS - Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien
HELMHOLTZ - Zentrum für Umweltforschung - UFZ
ILS - Institut für Landes- und Entwicklungsforschung gGmbH