Projektbeispiel: Körtingsdorf

Vom Unterkunftsgebiet zum Vorzeigeobjekt

Vielfalt in Hannover-Badenstedt erleben – Ernten und Kochen mit Kindern und ihren Familien

 

Ziele: Stabilisierung und Integration von Bewohnern, insbesondere von Migranten durch Beteiligung von Kindern und Familien

 

Zeitraum: seit 2013

 

Projektbeschreibung:

Der Name Unterkunftsgebiet war mit einer Adresse belegt und somit berüchtigt. Kleine isolierte Inseln im Stadtgebiet mit schlechtem Ruf – soziale Brennpunkte. Anfang der 1990er-Jahre wurden gemäß Ratsbeschluss diese Gebiete aufgelöst und in normalen sozialen Wohnungsbau umgewandelt: 1998 Komplettsanierung der Gebäude oder wie in Hannover-Badenstedt an der Ludwig-Richter-Straße durch Abriss und Neubau mit völlig neuem Erscheinungsbild, begleitet durch von Sozialarbeitern organisierte „Anwaltsplanung“. Es entstanden zweigeschossige Gebäude mit überwiegend separaten Eingängen und davor liegenden Vorgärten, an den Erdgeschossen Terrassengärten mit Geräteschuppen, kleine grüne Spielhöfe und ein großer befestigter Platz dominiert durch das rot gestrichene Gemeinschaftshaus – genannt „Heizhaus“. Heute: Die Mieterschaft mit alteingesessenen Mietern und zugezogenen Migrantenfamilien ( „Ankunftsquartier“ ) unterscheidet sich durch behutsame Belegung nicht mehr von anderen Sozial-Wohngebieten.

 

Kleinere Reparaturen in den Außenanlagen werden durch ein traditionelles Wohnumfeldprogramm des Wohnungsunternehmens begleitet: Dort, wo Nutzungsspuren durch Aneignung erkennbar sind, wird entweder durch Beratung und bauliche Maßnahmen nachgesteuert oder gezielt gefördert: zweimal im Jahr werden Sommerblumen und Blumenzwiebeln im Herbst an aktive „Vorgarten-Mieter“ verteilt. Eine externe Gartenberaterin, die unterstützt wird durch das gemeinnützige Projekt „Grüne Brücke“ (gefördert durch die Agentur für Arbeit) entwickelt Kontakt zur Bewohnerschaft.

 

Aus dieser unscheinbaren „kleinen“ Maßnahme im Wohngebiet entsteht eine „große“: Eine aktive Bewohnerin, wohnhaft in einer Nichtbelegrechtswohnung, äußert den Wunsch eines Kräuterbeets für die im Heizhaus organisierte Kochgruppe. Die zugezogene Dresdenerin, Lehrerin und Mutter von zwei Kindern, erweist sich als eine zentrale Bezugsperson. Sie organisiert die Aktivitäten im Heizhaus und übernimmt den „Gartenpart“. Die aus Afghanistan stammende „Köchin“, Mutter von fünf Kindern, mittlerweile nicht mehr im Gebiet wohnhaft, ist wiederum die Seele der kleinen Wohninsel. Beide Frauen sind bis heute mit ihrem Engagement die Säulen eines gewachsenen Projekts. Aus dem Kräuterbeet wurde im Randbereich des Wohngebiets ein Gemüsegarten mit Hochbeeten und Gewächshäusern, gepflegt von vielen Kindern und ihren Eltern. Am Samstagmittag wird nun wöchentlich mit Zutaten der „Tafel“ das Gemüse und Obst liebevoll verarbeitet.

 

Finanziert werden bauliche Maßnahmen und die Gartenbetreuung aus Sondermitteln des kommunalen Wohnungsunternehmens hanova. Die Kochgruppe wird temporär durch Fördermittel des Integrationsbeirates über den örtlichen Bezirksrat unterstützt. Die Kombination aus einer gelungenen Umwandlung durch vorbildlichen Städtebau, Anwaltsplanung, behutsame Belegung und durch eine organisierte Betreuung im Bestand mit klaren Hierarchien und Funktionsträgern hinterlässt eine übermäßig positive Ausstrahlung in eine ansonsten sozial benachteiligte Bewohnerschaft.

 

Kontakt und weitere Infos:

Klaus Robl (hanova)

E-Mail: klaus.robl@hanova.de

Universität Osnabrück
IMIS - Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien
HELMHOLTZ - Zentrum für Umweltforschung - UFZ
ILS - Institut für Landes- und Entwicklungsforschung gGmbH