Kooperative Freiraumentwicklung

Urbane Freiräume

Als „Freiräume“ in der Stadt werden alle Räume bezeichnet, die nicht mit Gebäuden besetzt sind, generell öffentlich zugänglich sind und der Stadtbevölkerung dauerhaft bzw. temporär für verschiedene Nutzungen zur Verfügung stehen. Dazu zählen beispielsweise Parkanlagen und Spielplätze aber auch Parkplätze, öffentliche Plätze, Wege, Sportanlagen, Gärten und Friedhöfe. Diese urbanen Freiräume erfüllen vielfältige sozial-ökologische Funktionen: Sie sind einerseits Orte für Freizeitgestaltung, Erholung und Begegnung. Andererseits verbessern Sie die Luftqualität und das Stadtklima und tragen als Lebensraum von Tieren und Pflanzen zur Biodiversität in der Stadt bei.

 

Vielfalt der Typen von urbanen Freiräumen

Arten urbaner Freiräume

(Quelle: BBSR 2017: 26, erstellt von bgmr Landschaftsarchitekten GmbH / HCU)

 

Die Bedeutung von Freiräumen für dicht bebaute Wohnquartiere

In Quartieren mit einer hohen Dichte von Bevölkerung und Gebäuden, kleineren Wohnungsgrößen oder geringen Aufenthaltsqualitäten im Umfeld der Wohnungen werden vorhandene Grün- und Freiflächen besonders intensiv genutzt. Dennoch weisen Grünanlagen dort im Vergleich zu weniger dichten Stadtteilen oftmals eine geringere Qualität und Größe auf. Außerdem treten negative Umwelteinflüsse, wie z.B. Schadstoff- und Lärmbelastung durch Verkehr, verstärkt in solchen Gebieten auf.

Es gibt vielfältige Maßnahmen und Projekte, die die Aufenthaltsqualität und ökologische Vielfalt in solchen Quartieren verbessern und zum Abbau von „sozial-ökologischen Ungleichheiten“ beitragen können. Hierzu zählen z.B. Dach- und Fassadenbegrünungen, die zusätzliche Bepflanzung von Flächen zwischen Häusern, die Aufstellung von Kistenbeeten auf Brachflächen oder auch Projekte wie Gemeinschaftsgärten.

 

Kooperative Freiraumentwicklung

Wie Freiräume entwickelt, umgestaltet oder erneuert werden, verläuft in verschiedenen Städten und innerhalb von Städten sehr unterschiedlich. Eine Vielzahl von Faktoren, wie etwa Bevölkerungsentwicklung, Stadtentwicklungspolitiken, Eigentümerverhältnisse und wirtschaftlicher Wandel beeinflusst die Entwicklung von Freiräumen.

Bei einer kooperativen Entwicklung von Grün- und Freiräumen arbeiten zivilgesellschaftliche und politisch-administrative Akteure zusammen. Dabei versuchen sie verschiedene Bedürfnisse und Ideen einzubeziehen, um gemeinsam über zukünftige Gestaltungen und Nutzungen von Freiräumen zu entscheiden. An diesen kurz- oder langfristigen Prozessen beteiligen sich beispielsweise Stadtverwaltungen und –räte, Eigentümer_innen von Flächen, Vertreter_innen von Initiativen, gemeinnützigen Organisationen und Vereinen sowie interessierte Privatpersonen, wie Bewohner_innen.

Kooperativ entwickelte Freiräume können einen positiven Beitrag zur sozialen und ökologischen Entwicklung von Quartieren leisten, indem sie die Wünsche und Vorstellungen der Bewohner_innen gleichberechtigt berücksichtigen und versuchen die Vielfalt der Nutzungen zusammenzubringen. Damit leistet kooperative Freiraumentwicklung einen wichtigen Beitrag dazu, die Teilhabe unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen an der Gestaltung ihrer Städte zu fördern.

Zu den zentralen Zielen des Projektes KoopLab gehören die Stärkung von Teilhabe und Erprobung kooperative Ansätze der Freiraumentwicklung in sogenannten Ankunftsquartiere. Diese zählen häufig zu den Gebieten mit einer hohen Dichte der Bebauung und Bevölkerung und sind zugleich von einer besonders hohen Diversität der Bevölkerung geprägt.

 

Zum Weiterlesen:

Bundesamt für Naturschutz (2016): Stadtbrachen als Chance. Perspektive für mehr Grün in den Städten.  Online unter: https://www.bfn.de/fileadmin/BfN/planung/siedlung/Dokumente/Stadtbrachen_Broschuere.pdf (letzter Zugriff 2.8.2018)

Die 24-seitige Broschüre gibt einen kompakten Überblick zum Spannungsfeld einer möglichen Bebauung von Stadtbrachen und deren Erhalt als Freiräume. Dabei werden die Bedeutung von Freiräumen für Natur und Menschen (biologische Vielfalt, klimatische Effekte, Lebensqualität) und Möglichkeiten der Entwicklung von Stadtbrachen als öffentliche Grünflächen erläutert.

 

Bundesinstitut für Bau‐, Stadt‐ und Raumforschung (BBSR)(2017): Urbane Freiräume. Qualifizierung, Rückgewinnung und Sicherung urbaner Frei- und Grünräume. Endbericht (September 2017).  Online unter https://www.hcu-hamburg.de/fileadmin/documents/Professoren_und_Mitarbeiter/Projektentwicklung__-management/Forschung/Endbericht_Urbane-Freiraeume_final_01-11-17_web.pdf (letzter Zugriff 2.8.2018)

Der Bericht basiert auf einem Forschungsprojekt, das die kommunale Praxis der Freiraumentwicklung analysiert. Es untersucht die Rolle von Frei- und Grünräumen für die Umwelt- und Lebensqualität in Städten, wobei der Fokus wiederum auf dem Spannungsverhältnis von einer baulichen Entwicklungen und der Sicherung und Entwicklung von Freiräumen in wachsenden Städten liegt. Das Projekt basiert auf einer Literaturanalyse, einer bundesweiten Online-Befragung kommunaler Akteure und der Untersuchung exemplarischer Fallstudien im gesamten Bundesgebiet. Auf dieser Grundlage erarbeiten die Autorinnen und Autoren Handlungsempfehlungen für die städtebauliche Praxis einer integrierten Bebauungs- und Freiraumentwicklung auf verschiedenen Ebenen.

 

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB)(2017): Weißbuch Stadtgrün. Grün in der Stadt – Für eine lebenswerte Zukunft. Berlin. Online unter: https://www.bmub.bund.de/fileadmin/Daten_BMU/Pools/Broschueren/weissbuch_stadtgruen_bf.pdf (letzter Zugriff 5.3.2018)

Das Weißbuch Stadtgrün entstand in einem breiten Diskussionsprozess der entsprechenden Bundesressorts, Länder und Kommunen, sowie Verbänden, Vereinen, Stiftungen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Es beinhaltet zehn konkrete Handlungsempfehlungen und eine Vielzahl konkreter Maßnahmen, wie der Bund Städte und Gemeinden dabei unterstützen kann, urbanes Grün durch eine integrierte und nachhaltige Stadtentwicklungspolitik zu stärken. Zu den Handlungsempfehlungen zählen u.a. die Qualifizierung und multifunktionale Gestaltung von Grünräumen, die Begrünung von Bauwerken sowie die sozial verträgliche und gesundheitsförderliche Entwicklung von Stadtgrün und deren integrierte Planung.

 

Sondermann, Martin : Planungskulturen kooperativer Stadtgrünentwicklung. Hannover, 2017. Online unter: https://www.baufachinformation.de/literatur.jsp?dis=2017129006437 (letzter Zugriff 2.8.2018)

In seiner Dissertation untersucht Martin Sondermann die Umsetzung des Ideals kooperativer Stadtgrünentwicklung anhand von Fallbeispielen in Düsseldorf und Hannover. Er deutet die jeweiligen Spezifika in der Zusammenarbeit zivilgesellschaftlicher und politisch-administrativer Akteure als Ausdruck unterschiedlicher lokaler Planungskulturen. Der Autor stellt in den beiden Städten eine „Kultur des Miteinander“ fest, welche sich durch Lern-, Anpassungs- und Annäherungsprozesse herausgebildet hat und sich in konstruktiven Haltungen, gemeinsamen Orientierungen, gegenseitigem Verständnis und lebendigen Traditionen zeigt.

 

Rosol, M. (2006): Gemeinschaftsgärten in Berlin. Eine qualitative Untersuchung zu Potenzialen und Risiken bürgerschaftlichen Engagements im Grünflächenbereich vor dem Hintergrund des Wandels von Staat und Planung. Dissertation, Humboldt‐Universität zu Berlin. Online unter: https://edoc.hu-berlin.de/handle/18452/16208 (letzter Zugriff 2.8.2018)

Diese Untersuchung stellt eine Analyse der Freiraumpolitik, der Forschungen bezüglich bürgerschaftlichen Engagements, sowie des Wandels von Staat und Planung dar. Konkret befasst sie sich mit dem bürgerschaftlichen Engagement im Bereich der Grünflächenentwicklung, welches in Form von Gemeinschaftsgärten wiederzufinden ist. Gemeinschaftsgärten, Kleingärten, durch freiwilliges Engagement geschaffene und betriebene Grünanlagen und Parks werden nicht zwingend als ökologisch aufwertend wahrgenommen, verfolgen jedoch eine Ausrichtung auf die allgemeine Öffentlichkeit. In diesem Zusammenhang werden insbesondere kooperative Entwicklungen von Grün- und Freiflächen als Instrument der sozialen Entwicklung diskutiert.

Universität Osnabrück
IMIS - Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien
HELMHOLTZ - Zentrum für Umweltforschung - UFZ
ILS - Institut für Landes- und Entwicklungsforschung gGmbH