Projektbeispiel: Garbsen-Auf der Horst

Die Idee der „Gärten für Mieter durch Mieter“ hat sich etabliert

 

Die Intervention der Wohnungsbaugesellschaft weist nachhaltige Auswirkung zum Wohl der Nachbarschaft auf

 

Ziele:

  • Stabilisierung der Bewohnerschaft durch mehr Beteiligung
  • Aneignung des Wohnumfeldes durch Mietergärten

 

Zeitraum: 1983 – 2005

 

Projektbeschreibung:

Plattenbauweise, Waschbeton, dreigeschossig, das Kellergeschoss ebenerdig und der Sockel „schwedenrot“ gestrichen, im Stadtbild gleichförmig und entlang der Durchgangsstraße. „Planetenring“ unauffällig, hoher Anteil von türkischstämmigen Mietern. Erst das gezielte Suchen nach Besonderheiten inmitten großzügiger Abstandsgrünflächen offenbart individuelle Situationen: kastenförmig geschnittene Pflanzungen und zurechtgestutzte Bäume in den Eingangszonen kontrastieren zu extrem angeeigneten Gartenflächen in den Höfen und z.T. öffentlichen Randzonen. Diese Randzonen zwischen Lärmschutzwall zur A2 und der Bebauung sind hochwertig ausgestattet mit Spiel- und Bolzflächen im Gegensatz zu den laubenartigen Gebäuden innerhalb der Gärten, die umwuchert von hohem Gehölz teils aufwändig, teils „zusammengezimmert“ ein völlig gegensätzliches Bild prägen – öffentliches Grün contra privates Grün.

 

Subjektive Eindrücke an einem sonnigen Septembertag 2018: Inmitten der vordergründigen Tristesse einer Plattenbausiedlung begegne ich alten Bekannten aus meiner Zeit als einem von zwei Planern/Betreuern der Spiel- und Gartenflächen*. Es entsteht eine Vertrautheit der besonderen Art, die teils fast Wehmut weicht von beiden Seiten. Auch mir unbekannte Mieter, die mich mit dem Fotoapparat entdecken, begegnen mir zugewandt und freundlich.

 

Der „Intervention“ im Jahre 1983 (Gärten für Mieter durch Mieter) aufgrund erheblicher Zweifel an der Art eines grobschlächtigen Städtebaus und latenter Vandalismus- und Vermietungsprobleme steht 2018 eine Alltagssituation gegenüber, die deutlich Heimatgefühl spüren lässt. Angeeignetes Grün als Garten vor der Haustür steht Spiel und Aufenthalt im öffentlichen Grün nahezu gleichberechtigt gegenüber. Die Bewohner halten sich gerne draußen auf und prägen die Atmosphäre. Die üblichen Sanierungsmechanismen mit dem Ergebnis oft unvermeidlicher Uniformität (über Stadtumbau- oder Soziale-Stadt-Programme) haben hier bisher (noch) nicht Einzug gehalten und die z.T. anarchischen Gärten verschont. Unterlassungen bei Instandhaltung und Pflege durch den neuen Eigentümer sind zwar deutlich sichtbar, im Grunde aber bei gutem Willen beherrschbar. Gleichzeitig hat sich eine menschenfreundliche Aneignung von Abstandsgrün nicht nur durchgesetzt, sondern auch ohne großartige steuernde Eingriffe von außen als Alltagssituation manifestiert.

 

*Das Wohngebiet wurde von der damaligen städtischen Wohnungsbaugesellschaft „GBH“ (heute „hanova“) im Auftrag des Hauptanteileigners „Stadt Hannover“ im Jahre 2005 verkauft. Im Jahre 1983 fand angeleitet von zwei ABM-Kräften (Landschaftsplaner_innen) eine über drei Jahre angelegte Selbsthilfemaßnahme statt, die mit erheblicher Eigendynamik zur begleiteten Aneignung großer Flächen für Mietergärten führte. Eine Betreuung durch das Wohnungsunternehmen unter Hinzuziehung eines Mieters (Gartenberater) vor Ort fand bis 2005 statt.

 

Kontakt zum Autor und weitere Infos:

Klaus Robl (hanova)

E-Mail: klaus.robl@hanova.de

Freie Universität Berlin
HELMHOLTZ - Zentrum für Umweltforschung - UFZ
ILS - Institut für Landes- und Entwicklungsforschung gGmbH