Standortauswahl: Wie wählt man das Setting für ein Reallabor?

Ein Erfahrungsbericht aus Hannover

 

Wo fangen wir an?

Jedes der drei Teilprojekte von KoopLab – Dortmund, Leipzig und Hannover – braucht einen konkreten physischen Ort in einem Ankunftsquartier. Hier wollen wir die Reallabore einrichten und gemeinsam mit ganz unterschiedlichen Personen aus dem Stadtteil an der Freiraumgestaltung arbeiten. Doch in welchen Nachbarschaften sollen die Reallabore konkret etabliert werden? Welche räumlichen Settings sind hier passend? Dazu entwickelten wir im Projekt einen Kriterienkatalog, der die Auswahl der Freiräume bestimmte. Zum Beispiel sollen sie barrierefrei für ganz unterschiedliche Quartiersbewohner und -bewohnerinnen zugänglich sein. In Hannover sind wir bei der Suche und Auswahl unserer physischen Standorte wie folgt vorgegangen.

 

Das Beispiel von KoopLab Hannover

An dem Prozess der Standortauswahl, der bereits 2016 begann, waren verschiedene KoopLab-Projektpartner und -partnerinnen beteiligt: Herr Robl von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Hanova, Ulrich Berding von plan zwei, Eberhard Irion von den Internationalen StadtteilGärten (ISG) sowie Antonie Schmiz und Charlotte Räuchle vom IMIS. Im Vordergrund standen zunächst Begehungen in solchen Quartieren, bei denen wir von einem Ankunftscharakter ausgegangen sind und bei denen wir vermuteten, leicht Zugang zu freien Flächen bekommen zu können. Bei der Vorauswahl hatten wir folgende Quartiere im Blick: Oberricklingen, Mühlenberg, Linden-Süd, Vahrenheide, Sahlkamp und Hainholz.

 

Besonders Linden-Süd mit zwei Gärten der ISG zogen wir in die engere Auswahl. Beide Gärten sind bereits fest im Quartier verankert und werden von diversen Gärtnern und Gärtnerinnen aktiv genutzt. Eine Öffnung hin zum Quartier und eine Mobilisierung der lokalen Bevölkerung als Teil eines Reallabors wären aufbauend auf dieser guten Infrastruktur sicherlich denkbar gewesen. Zudem ist die Hanova mit Wohnungsbeständen in Linden-Süd vertreten.

 

Der Stadtteil war früher Standort der Werke der Hannoverschen Maschinenbau AG (Hanomag) und wurde stark durch die Zuwanderung von (insb. portugiesischen) „Gastarbeiter_innen“ geprägt. Aufgrund sichtbarer Aufwertungstendenzen und steigender Mieten gilt Linden-Süd heute jedoch nicht mehr als klassisches Ankunftsquartier – ein wesentlicher Ausschlussgrund für die Einrichtung des Reallabors in einem der beiden Gärten im Stadtteil.

 

Ein Reallabor für den Sahlkamp

Im Februar 2018 entschieden wir uns schließlich für den Sahlkamp mit seinem Soziale Stadt-Programmgebiet Sahlkamp-Mitte. Das Programmgebiet ist durchaus als Ankunftsquartier zu bezeichnen. Hierfür sprechen verschiedene Indikatoren. Zum Beispiel liegt der Anteil an Personen mit Migrationshintergrund bei 58,6 Prozent im Vergleich zu 29,3 Prozent im Hannoveraner Durchschnitt. Markant ist der Unterschied in der Wohndichte: Mit 135 Personen je Hektar ist die Wohndichte in Sahlkamp-Mitte besonders hoch (Gesamt-Hannover: 26 Einwohner_innen je Hektar). Leerstand in der Hochhaussiedlung gibt es – anders als noch vor einigen Jahren – nicht mehr. Dennoch ist der Sahlkamp ein „grünes“ Quartier und der Freiraum weist diverse Entwicklungspotentiale auf.

 

Im Sahlkamp gibt es insgesamt drei ISG-Gärten, in denen wiederum einzelne Flächen für KoopLab genutzt und bewirtschaftet werden können. Sie sollen als „Bindeglied“ die Gärten mit dem weiteren Quartier stärker verknüpfen als bisher. Aufgrund ihrer räumlichen Lage mitten im Quartier sind diese potenziellen Settings gut für neue Nutzer und Nutzerinnen zu erreichen. Durch die Anbindung an die ISG Hannover ist zudem gesichert, dass sie langfristig erhalten und bewirtschaftet werden.

 

Und nun? Nächste Schritte

Nach der Entscheidung für das Quartier beginnt das KoopLab-Team in Hannover mit der konkreten Arbeit und dem Aufbau des Reallabors. Ab Herbst/Winter 2018 veranstalten wir kollaborative Aktionen, um nicht nur die Flächen in den ISG zu öffnen. Im Sinne eines „multilokalen Reallabors“ wird sich KoopLab darüber hinaus an der Gestaltung von Freiräumen im Sahlkamp jenseits der Gärten beteiligen – in Zusammenarbeit mit Gärtner_innen, Quartiersbewohner_innen, Mieter_inneninitiativen, Migrant_innenselbstorganisationen und diversen anderen lokalen Akteuren. Eine erste Idee ist beispielsweise, sich an der geplanten Umgestaltung des Spessarthofs zu beteiligen. Ideen und Anregungen für die Freiraumentwicklung in Sahlkamp-Mitte sind unter hannover@kooplab.de jederzeit willkommen! Informationen über anstehende Veranstaltungen finden Sie unter Aktuelles.

Universität Osnabrück
IMIS - Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien
HELMHOLTZ - Zentrum für Umweltforschung - UFZ
ILS - Institut für Landes- und Entwicklungsforschung gGmbH